Seit Beginn meines Gesangsstudiums so sehr ans Herz gewachsen, ist das Kunstlied für mich die einfachste, aber gleichzeitig auch die komplexeste und darum berührendeste Musikform überhaupt:

Meist in nur knapp drei Minuten verdichten sich durch die intime Union von Musik und Text eine Geschichte, ein Schicksal, ein Gefühl zu höchster Poesie, zu brennendem Verlangen, sehnsuchtsvoller Schönheit und Reinheit. Dabei vereint die Liedkunst das Leben an sich als Inspirationsquelle, die Gefühle des Dichters, seine Umsetzung in reine Worte, die Inspiration zur musikalischen Komposition, die Wiederbelebung durch Sänger und Pianist und schliesslich die Manifestation von Schönheit und Berührtwerdens im Konzertmoment.

Die Stimme als ureigenstes Ausdrucksinstrument entführt dabei das Publikum zusammen mit den unendlichen Klangmöglichkeiten des Klaviers auf unendlich viele Gefühlsreisen, die sich im Universum eines Liederabends aufs Höchste vereinen. Das Lied verlangt hierzu weder eine große Bühne, noch Kostüme oder Schminke, sondern nur zwei Musiker, die aus der Musik und aus sich selbst schöpfen. Diese Authentizität und Ehrlichkeit, diese Schlichtheit berührt mich zutiefst, und wird im Konzertmoment durch den unmittelbaren Kontakt mit dem Publikum umso sehr verstärkt.

Mir ist es ein tiefes Bedürfnis, diese Erfahrung von Menschlichkeit, Schönheit und Verlangen als – meines Erachtens – höchstes Glück zu teilen. Zu teilen mit einem Nuancen affinen Publikum, das nach reinen Gefühlen und berührender Ehrlichkeit, ja Menschlichkeit umso mehr in unserer heutigen Zeit sucht – und in der Musik, in der Liedkunst findet.

Die gleissende Walliser Sonne, die mächtigen Walliser Berge sind in meiner Seele eingebrannt. Durch sie singe ich mit einer anderen Kraft. Diesen unendlichen Inspirationsschatz möchte ich mit Ihnen und mit meinen Musiker-Freunden teilen und im RHONEFESTIVAL FÜR LIEDKUNST in meiner Heimatstadt mit ihrem schmucken Barockschloss und dem fürstlichen und akustisch exzellenten Rittersaal zu vereinen.

Franziska Heinzen, im Sommer 2017

revidiert im Januar 2018,
nach dem großen Verlust von Dr. Deen Larsen für die Liedwelt,
Initiator des Schubert Instituts Baden bei Wien,
unvergessen durch seine „poetic lectures“ und seiner Liebe zur Poesie