avant-propos Franziska HEINZEN

 

Verehrtes Publikum,

was kann uns heute ein Kunstlied in der technisierten, digitalisierten und Popmusik orientierten Welt überhaupt noch sagen? – Gerade das ureigenste Instrument, die Stimme, vermag zusammen mit den Klangfarben des Klaviers womöglich das auszusprechen, was wir heute nur mehr über digitale Kanäle und durch Emoijs kommunizieren, in der U-Bahn oder zwischen zwei Mittagshappen versenden.

Unter dem Deckmantel der Kunst darf noch live und ungehemmt geschwärmt, gelitten und geschmachtet werden. Hier – um es mit Goethe zu sagen – bin ich Mensch im Jetzt, hier darf ich’s sein; hier darf ich atmen, nachdenken und träumen – über eine andere, ruhigere, trautere Welt?

Dichter, Komponisten und schlussendlich Interpreten – Frauen wie Männer – lassen uns durch das Kunstlied stellvertretend – heute vielleicht dringlicher denn je – an ihrem Denken und Fühlen teilhaben. Fröhliche oder traurige Klänge, Geräusche von Silben, die sich zu Wörtern emporheben, wirken im Liedrezital auf uns ein, setzen uns in analoge, beflügelnde Schwingung. Gerade diese feinen Klänge, diese Nuancen sind eben den magischen Bergen die Stärke des Kunstliedes – und die Triebkraft des RHONEFESTIVALS.

Im Zentrum der zweiten Edition steht das Liedduo als eingespieltes Team. Denn neben einer Stimme und einem Klavier benötigt das Kunstlied umso mehr die subtilen (menschlichen) Zwischentöne, deren Essenz sich nur durch viele Probe- und Konzertmomente entwickeln kann. In dem Sinne dürfen wir uns besonders auf den Liederabend mit Rachel HARNISCH freuen, die mit ihrem langjährigen Liedduo-Partner Jan Philip SCHULZE uns in ein wunderbares Erzähl-Universum entführen wird.

Clara SCHUMANNS 200. Geburtstag lädt im Themenkonzert zum Innehalten und (Wieder-)Entdecken versteckter Meisterinnen ein, die sich oftmals nur unter dem zierenden Deckmantel eines vornehmhaften Dilettantismus ihrer Kunst eröffnen konnten. Die Lesung mit Barbara TERPOORTEN wie auch der Dokumentarfilm KOMPONISTINNEN vertiefen den diesjährigen Themenschwerpunkt. Désirée WERLEN zeigt in einem Konzert für Groß und Klein eine neue Seite des meist nur für seine Operetten bekannten deutsch-französischen Komponisten Jacques OFFENBACH, dem wir wie Clara zu seinem 200. Geburtstag gratulieren. Zur Festival-Eröffnung werden die Pianistin Marlene HEIß mit ihrem Liedduo-Partner Diogo MENDES, der Walliser Sopranistin Loredana CATALANO und Poetry-SlammerInnen Fee BREMBECK, Philip REICHLING und Kilian ZIEGLER einen spielerischen Wettkampf der Künste fernab des tradierten Konzertsaals bestreiten. Den Festival-Abschluss möchten wir mit Ihnen inmitten der Naturkraft der Berge, mit dem Liedmeister Franz SCHUBERT und Jodelgesang als Urbegriff der (Walliser) Heimat feiern.

Freuen Sie sich auf eine wunderbare Entdeckungsreise vom Volkslied bis zur ausgeklügelten Liedkomposition, vom Kinderlachen bis zu tiefsten Emotionen, von leidenschaftlichen Elegien bis hin zu schelmischen Heimlichkeiten in Musik & Wort.

Mit beherzten musikalischen Grüßen,
Franziska HEINZEN

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